Glossar: Beschwerdeverfahren und Ombudsstelle
Beschwerdeverfahren und Ombudsstelle
Jugendhilfe greift tief in das Leben von Familien ein. Zwischen Fachkräften und Behörden auf der einen Seite und Familien auf der anderen gibt es ein natürliches Ungleichgewicht: Die einen kennen das System, die anderen stecken oft mitten in einer schwierigen Lage. Beschwerdewege sollen dieses Gefälle ausgleichen. Eine Beschwerde ist kein Misstrauensvotum, sondern ein wichtiges Mittel, damit Hilfen besser werden.
Innerhalb eines Trägers gibt es ein Beschwerdeverfahren. Einrichtungen, die eine Betriebserlaubnis brauchen, müssen nachweisen, dass junge Menschen beteiligt werden und sich in persönlichen Angelegenheiten beschweren können (§ 45 SGB VIII). Beschwerden können an die betreuende Fachkraft, die Leitung oder eine benannte Vertrauensperson gehen – mündlich, schriftlich und oft auch anonym. Wichtig ist, dass Kinder und Jugendliche den Weg kennen und in verständlicher Sprache erklärt bekommen.
Außerhalb des Trägers gibt es Ombudsstellen. Seit dem Kinder- und Jugendstärkungsgesetz von 2021 müssen die Länder sicherstellen, dass junge Menschen und ihre Familien sich an unabhängige Ombudsstellen wenden können (§ 9a SGB VIII). Diese beraten kostenlos, erklären Rechte und Bescheide und vermitteln bei Konflikten mit dem Jugendamt oder einem Träger. Sie sind an keine Weisungen gebunden. Auch in Berlin gibt es eine solche Ombudsstelle für die Kinder- und Jugendhilfe.
Geht es um eine förmliche Entscheidung des Jugendamts, etwa die Ablehnung einer Hilfe, kann Widerspruch eingelegt und notfalls vor dem Verwaltungsgericht geklagt werden. Die Ombudsstelle hilft dabei, einzuschätzen, ob sich dieser Weg lohnt.
Für Träger gilt: Ein gutes Beschwerdeverfahren ist sichtbar. Es gehört auf die Website, in die Aufnahmeunterlagen und in die Räume – mit Namen, Telefonnummer und einer Erklärung, was nach einer Beschwerde passiert.
Synonyme
Weitere Glossar-Begriffe
- Wunsch- und Wahlrecht
- Verselbstständigung
- Unbegleitete minderjährige Geflüchtete
- Sozialpädagogische Familienhilfe (SPFH)
- Nachbetreuung
- Mediation
- Krisenintervention
- Kostenbeitrag
- Kinderschutz und Schutzauftrag
- Jugendamt und Regionaler Sozialpädagogischer Dienst (RSD)
- Interkulturelle Familienarbeit
- Insoweit erfahrene Fachkraft
- Inobhutnahme
- Hilfeplan und Hilfeplangespräch
- Hilfen zur Erziehung
- Hilfe für junge Volljährige
- Freier Träger der Jugendhilfe
- Erziehungsbeistand und Betreuungshelfer
- Eingliederungshilfe nach § 35a SGB VIII
- Care Leaver
- Betreutes Einzelwohnen (BEW)
- Begleiteter Umgang
- Ambulante Hilfen zur Erziehung
